Rockismus: Gitarren und Frauenbilder

Gitarren sind in höchstem Ausmaß sexualisierte Objekte. Da ich heute einen langweiligen Tag in der Wohnung verbrachte, habe ich ein bisschen die Google-Bildersuche angestrengt, um ein paar Verbildlichungen für Sexismus in der gitarren- oder sonstwie musikbezogenen Werbung zu finden. Das hier sind nur ein paar Beispiele, schamlos zusammengeklaut aus den Abgründen des Internets. Lange suchen musste ich nicht – the internet was made for porn…

Nicht nur, dass wir uns mit Instrumenten in der Form eines erigierten Penis‘ rumschlagen müssen, mit der Tatsache, dass es kaum weibliche E-Gitarristen gibt und damit, dass übermännliche Performances auf der Bühne geradezu in Masturbationswahn am Gitarrenhals ausarten. (Weshalb ich mir dringend eine Drag King-Band wünsche, die sowas auf die Schippe nimmt.) Nein, auch sexistische Werbung für Gitarren, Bässe, Verstärker oder Instrumententeile offenbart den Sexismus im Rock-Milieu.

Eine ganze Reihe sexistischer Kackwerbung hat der Gitarrenhersteller Dean produziert, der mit seinem besaiteten Altholz vor allem Metaller und Hardrocker (+ _innen?) glücklich machen möchte. (Mehr Scheiße findet ihr in der Wallpaper-Galerie der Dean Guitars-Webseite.)

Um dieselbe Zielgruppe zu bewerben, lässt sich Konkurrent Jackson auf dasselbe Niveau herunter:

Auch das schönste und tollste Instrument überhaupt – natürlich der Bass – bleibt nicht vor sexistischer Instrumentalisierung gefeit. Hier eine Anzeige für den Epiphone Ripper Bass:

Sogar Werbung für einen guten Zweck wird mit Sexismus gespickt:

Ein populäres Klischee im Rockismus ist, dass Mann mit Gitarren Frauen rumkriegen würde. Hier hat Sparrow Guitars in einer an sich coolen, in der Umsetzung dann aber wieder ganz profanen Kampagne versucht, Guitar Hero-Spieler_innen zum Kauf echter Gitarren zu bringen.

Neu ist das widerliche Frauenbild bei Gitarren(teile)herstellern übrigens nicht. Hier: gefühlte 1970er.

Und eine vom Tonabnehmer-Hersteller DiMarzio:

Auch Radiosender haben begriffen, dass sich Sex verkauft macht:

Ganz zu schweigen von Gitarren, die ganz offen sexuell dargestellt werden. Einer der dümmsten Gitarristensprüche, die einer schon vor dem ersten Akkord die Lust am Spielen vergraulen, geht so: „Das ist die Gitarre – leg sie über’s Knie und spiel an ihrem Loch.“

Und jetzt mal in real…

Manche Unternehmen haben begriffen, dass es auch anders geht, und stellen Frauen nicht sexualisiert dar oder greifen zumindest das Girl-with-Guitar-Motiv unverbraucht bis ironisch auf.

Ein Beispiel hierfür vom Gitarrenhersteller Aria:

Und eins von Duesenberg:

Cort veröffentlichte 2005 eine Werbung mit einem gewissen porn chique und Rockklischee (Frau mit Modelmaßen, trägt schwarz, Leder!), aber der Abgebildeten nehme ich (im Gegensatz zu Dean oder Jackson) durchaus ab, das in der Hand gehaltene Instrument auch tatsächlich spielen zu können:

Washburn Guitars haben begriffen, dass es scheiß egal ist, ob eine Frau oder ein Mann Gitarre spielen, solange sie ihr Handwerk drauf haben:

Und noch am riotgrrrligsten ist die Werbung des kleinen Gitarrenverstärker-Herstellers Yorkville:

Ob Gitarren und Bässe extra für Mädchen eine Lösung sind, um mehr weiblich sozialisierte Menschen zum rocken zu bringen?
Bleibt fraglich. Jedenfalls scheint das eine eigene Nische zu sein – Daisy Rock kann sich schon seit ein paar Jahren am Markt behaupten, und Gypsy Rose-Bässe sind ebenfalls nicht so schlecht wie mensch bei den Preisen meinen könnte. (Schade, dass meine Bandkolleg_innen keine Glamrock-Band aufmachen wollen. So ein rosa Glitzerbass würde da gut reinpassen.)

Soweit von mir. Aber was wäre dieser Beitrag ohne ein Bild der fabelhaften Joan Jett!

Feminism Rrrrrraaaaah!
Girls kick indeed.

J


5 Antworten auf „Rockismus: Gitarren und Frauenbilder“


  1. 1 Luna 14. Mai 2012 um 18:13 Uhr

    Die ersten paar Bilder sind schlimm, danke für die „Abschwächung“ emanzipierter Darstellungen!

    Kann mit etwas Erfahrung sagen, dass seeehr viele Rockerinnnen (egal ob hetero, bi, lesbisch oder sonst was) diese (über-)sexualisierte Darstellung ebenfalls ablehnen, aber nicht im Beisein eines Cismannes ihre Ablehnung äußern.

  1. 1 Mädchenmannschaft » Blog Archive » Datenschutz-, Neid- und Rassismusdebatten – die Blogschau Pingback am 12. November 2011 um 11:15 Uhr
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  4. 4 Thomanns angeblich sexistische Werbekampagne - Seite 6 Pingback am 26. Juni 2012 um 22:50 Uhr
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